Handelswege über die Tauern
Zahlreiche archäologische Funde belegen, daß schon 2000 v. Chr. Handelsrouten über die Tauern existierten. So wurden beispielsweise beim Bau des Hochtortunnels entlang der Großglockner Hochalpenstraße 1933 eine Herkulesstatue aus Bronze und Teile einer römischen Öllampe gefunden. Weitere Funde kamen ans Tageslicht auf den Korntauern zwischen Gastein und Mallnitz, wo man ein Steinbeil fand, daß auf ca. 3000 v. Chr. datiert wurde, sowie ein Bronzedolch auf dem Mittertörl und ein Bronzeschwert auf den Kaisertauern.
Mit der Unterwerfung der norischen Alpen und des Flachlandes bis zur Donau durch den römischen Kaiser Augustus gegen 15 v. Chr. hatte das Folgen für den Handel über die Alpen, die bis ins 17. Jahrhundert spürbar waren. Zum Beispiel stellten die Pässe zwischen den Krimmler Tauern und den Radstädter Tauern wichtige Handelswege von Deutschland in die Handelsmetropole Venedig dar.
Saumpfade
Die Römer, deren Macht nicht zuletzt auf gut funktionierenden Transportwegen basierte, nutzen ihre Vorherrschaft, um die Alpenregion mit einem dichten Wegenetz zu überziehen. Dieses Wegenetz wurde vor allem von den Säumern zum Warentransport über die Alpen seit dem 14. Jahrhundert genutzt. Dabei wurden Waren (Seide, Gewürze, Glas, Südfrüchte) aus Venedig, Arabien und Indien auf den Rücken von Saumtieren (z.B. Esel, Maultier und Maulesel, die als sehr trittsicher auf den Gebirgspfaden galten) nach Norden transportiert, wo diese Güter häufig mit Salz, Edelmetallen und Pelzen bezahlt wurden.
Der Warentransport wurde oft von Landwirten der Region im Nebenerwerb durchgeführt, so daß ein Landwirt die Güter zum nächsten Lager (Sust) entlang der Strecke gebrachte, wo sie von einem anderen Landwirt für das folgende Wegstück abgeholt wurden. Diese Art des Transports wurde als Teilfuhr bezeichnet. Dem gegenüber stand die Direktfuhr bzw. Strackfuhr (conducere ad forleytum), bei der der Säumer die Waren direkt zum Zielort brachte, ohne Beteiligung von anderen Transporteuren oder dem Umladen der Güter.
Um eine Vorstellung von den Leistungen der Säumer zu bekommen, seien hier noch ein paar Zahlen genannt. Die Lasttiere trugen eine "Roßsaum" (Maßeinheit, entspricht 168 kg) und legten am Tag ca. 35 km zurück. Fuhrwerke bewältigten unter guten Bedingungen bis zu 30 km pro Tag. Die Haupthandelsroute, auf der jährlich etwa 850 Tonnen an Waren im 16. Jahrhundert transportiert wurden, führte über das Hochtor (2.500 m über dem Meeresspiegel). In dessen Umgebung auch die berühmten Pinzgauer Pferde (Noriker) gezüchtet wurden. Ungefähr die gleiche Menge an Gütern ist über die anderen Pässe der Tauern (Krimmler Tauern – 2.634 m; Felber Tauern – 2.481 m; Kaiser Tauern – 2.515 m; Korntauern – 2.459 m) gebracht worden. Der 1.800 m über dem Meeresspiegel gelegene Paß über die Radstädter Tauern bewältigte ungefähr 3.300 Tonnen Güter pro Jahr.
Der Felber Tauern (2.481 m) war zwar mit Abstand der gefährlichste Paß, jedoch waren dort die Transportzölle am niedrigsten, sodaß Säumer diesen Paß bevorzugten. Das Hochtor wiederum war im Winter recht beliebt, da es eisfrei blieb und recht risikoarm war, aber auch, da es den Landwirten, die die Säumerei im Nebenerwerb durchführten, eine Einnahmequelle im Winter sicherte. Dazu kam schließlich noch, daß Wein, der südlich der Alpen im Herbst geerntet wurde, anschließend über das Hochtor gebracht wurde, um in den Weinkellern zu reifen.
Mit dem Bau von Straßen und Bahnverbindungen durch die Alpen, aber auch dem Verbot des Salzimportes von Salzburg (unabhängiges Erzbistum) nach Kärnten (habsburgisch), sowie dem Trend vom teuren Wein zum günstigeren Bier hin, verlor die Säumerei im 19. Jahrhundert an Bedeutung. Was blieb, war der Viehhandel aber auch Bauern, die ihre Herden auf Almen zu beiden Seiten des zentralalpinen Hauptkammes grasen ließen.
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